Film und Gespräch: Heimatkunde

Wann

Mittwoch - 30.11.2022
20:00 Uhr  

Wo

Ost-Passage Theater
Konradstraße 27, Leipzig

Rollstuhlgerecht? Unbekannt
Details

Wie wird man zur „allseitig gebildeten sozialistischen Persönlichkeit“, Ideal der Erziehung in der ehemaligen DDR? Eine Schule im Dornröschenschlaf. „Wir wollten, dass es vorwärts geht, dass wir vorwärts kommen … Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit. Das waren unsere Erziehungsziele,“ so erinnert sich der Schuldirektor. „Heimatkunde“ lässt ehemalige Lehrer:innen und Schüler:innen der Polytechnischen Oberschule Bärenklau nahe Guben (Lausitz) zu Wort kommen und über ihre Zeit und Sozialisation an der Schule in der DDR berichten. Der Dokumentarfilm tastet sich langsam vor. Im Regal steht der Roman „Die Mutter“ von Maxim Gorki. Ein Schüler liest aus einem alten Aufsatz. Eine Lehrerin rezitiert Wilhelm Buschs Fabel „Bewaffneter Friede“ und wir erfahren von der Geschichte der Lilo Herrmann, einer kommunistischen Widerstandskämpferin gegen die Nazis. Hier wurde vorurteilsfrei und offen gefragt. Dem Film gelingt ein differenziertes Bild vom DDR-Schulsystem, das Erziehungsauftrag und Gesinnungsterror nebeneinander stehenlässt. Ein Film, der noch vor 10 Jahren so nicht möglich gewesen wäre. (Bäucker, D 2021)

Der Regisseur sagt dazu selbst: „Bei vielen Ostdeutschen die ich kenne, sind Versatzstücke der Indoktrination zu Ostzeiten vorhanden, es schlummert sozusagen überall. Je größer der Abstand und je älter die Leute, desto mehr wird die Vergangenheit unterkomplex und die Kindheitserinnerungen zu einer heilen DDR geschrumpft. Der Film spricht somit alle Menschen an, die damit ein Problem haben und schafft aber gleichzeitig durch sein wertfreies Vorgehen eine Gesprächsgrundlage für den Austausch. Die Gesinnungsdiktatur,die in Ostdeutschland herrschte, wurde bis heute viel zu wenig behandelt. Auch dies ist ein Grund für das reflexhafte Festhalten an autoritärem Gedankengut. Der Film stellt eine Möglichkeit dar, diese Themen in einem offenen Gespräch miteinander zu diskutieren.Für DDR-kritische Ostdeutsche ist dieser Film eine Art Befreiung. Er bringt Emotionen zurück und macht klar, dass erlernte Minderwertigkeitskomplexe, die sich aus Widerständen gegen die Mehrheitsmeinung zu DDR Zeiten (und auch danach) ergaben,strukturell gewollt und Teil einer Herrschaftslogik waren. In diesem Sinne wirkt der Film ermächtigend, vermittelt aber auch ein Verständnis dafür, warum gerade in Russland keine Massendemonstrationen gegen den aktuellen Krieg aufkommen.“

Wir zeigen den Film in der Originalsprache auf Deutsch mit englischen Untertiteln.

Im Anschluss steht der Regisseur Christian Bäucker zum Filmgespräch bereit.

Mehr Infos zum Film: https://www.heimatkunde-film.de/

Hier geht’s zum Trailer auf YouTube: https://youtu.be/EqnEcq0-UsU


Dauer: 120min
In Kooperation mit: Luru-Kino

Link zur Veranstaltung: https://ost-passage-theater.de/veranstaltungen/heimatkunde?timestamp=1669838400

Eintritt: 5€ / 3€ erm.

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