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 ifaschistisch-ten-more-years-of-anger-and-sorrow/
SUMMARY:Gedenken erkämpfen – autonom\, antifaschistisch! – Ten more ye
 ars of anger and sorrow
DESCRIPTION:In den letzten 15 Jahren haben wir versucht\, ein kritisches un
 d antifaschistisches Erinnern an den rassistischen Mord an Kamal K.\, aber
  auch die anderen rechten Morde in Leipzig zu etablieren\, ihre gesellscha
 ftlichen Ursachen aufzuarbeiten und uns gegen eine rassistische gesellscha
 ftliche Kontinuität zu stellen. Daran hat sich in den letzten 10 Jahren n
 ichts geändert. Bereits vor 10 Jahren zur Gedenkdemo 2015 stellten wir fe
 st:\n“Leipzig tötet!”\n“Kamal K.\, Horst K. und Gerhard Helmut B. s
 ind lediglich drei von mindestens zehn Todesopfern – Gerhard S.\, Klaus 
 R.\, Achmed B.\, Bernd G.\, Nuno L.\, Thomas K.\, Karl-Heinz T. – rechte
 r Gewalt seit 1990 in Leipzig. Alle wurden aufgrund von rassistischen\, so
 zialdarwinistischen oder homosexuellenfeindlichen Einstellungen der Täter
  ermordet. An sie und alle anderen Todesopfer sowie Betroffenen rechter Ge
 walt wollen wir mit dieser Demonstration erinnern. Die dauerhafte Auseinan
 dersetzung mit den Morden ist notwendig\, sind diese doch lediglich ein Sp
 iegelbild gesellschaftlicher Zustände\, jener also\, die solche Morde ers
 t möglich machen. Es ist die Akzeptanz und die Anerkennung von Aussagen u
 nd Meinungen die gegen Menschen gerichtet sind\, die nicht den deutschen N
 orm- und Wertvorstellungen – weiß\, heterosexuell\, besitzend\, lohnarb
 eitend – entsprechen und somit abgewertet werden.”\nAuch zehn Jahre sp
 äter hat das Morden in Deutschland kein Ende. In München\, Halle\, Hanau
 \, Kassel\, Solingen und vielen weiteren Orten in Deutschland wurden seit 
 unserem Aufruf im Jahr 2015 Menschen aus rechten Motiven ermordet. Noch ni
 cht benannt sind damit die unzähligen Betroffenen rechter Gewalt\, die Be
 drohten\, die Verletzten und die Angehörigen\, die zwar mit dem Leben dav
 ongekommen sind\, deren Leben durch die Taten aber oft schwerwiegend beein
 trächtigt bleibt.\n\nRassismus und andere menschenverachtenden Einstellun
 gen werden nicht erst dann wirkmächtig\, wenn Täter*innen morden. 859 re
 chte Angriffe dokumentierte die Opferberatung RAA im Zeitraum von 2009 –
  2024 alleine in der Stadt Leipzig. Auch bei rechten Morden muss\, wie bei
  allen rechten Gewalttaten\, davon ausgegangen werden\, dass die Dunkelzif
 fer weitaus höher ist.\n“Sachsen tötet! Deutschland auch!”\nChristop
 her W.\, Ruth K.\, André K.\, Marwa el-Sherbini\, Bernd S.\, Patrick T.\,
  Peter T.\, Mike Z.\, Waltraud S.\, Jorge Gomondai\, Günter T.\, Christa 
 G.\, Michael G.\, Mario L. und laut dem Historiker Harry Waibel gibt es vi
 er weitere namentlich unbekannte Todesopfer rechter Gewalt\, seit 1990 in 
 Sachsen. Der rechtsmotivierte Mord an Christopher W. wurde dieses Jahr von
  Seiten des Sächsischen Innenministeriums sogar nachträglich aus der Sta
 tistik zu Todesopfern rechter Gewalt entfernt. Seit Jahrzehnten wird recht
 e Gewalt in Sachsen und Deutschland verharmlost und vertuscht.\n\nUnsere A
 ussage zu Rassismus und neonazistisches Denken von 2015 wollen wir korrigi
 eren. Damals schrieben wir:\n“Das Reden über Rassismus und Rassist*inne
 n scheint vorwiegend ein Reden über etwas Vergangenes zu sein. Zumeist wi
 rd Rassismus mit dem Nationalsozialismus sowie mit neonazistischen Denken 
 in Verbindung gebracht. Dies verkennt jedoch die Dimension rassistischer s
 owie generell menschenverachtender Einstellungen und kann als eine Ursache
  für das Nicht (An-)Erkennen rechter Gewalt angesehen werden\, was in der
  Aufarbeitung des NSU-Komplexes deutlich wird.”\nHeute sind wir der Mein
 ung: Das Reden über Rassismus scheint nicht mehr über etwas Vergangenes 
 zu sein. Rechte und neonazistische Einstellungen sind gesellschaftsfähige
 r\, jede*r kann sie offenkundig vertreten und inzwischen ist die öffentli
 che Aufregung darüber gering. Neonazis\, AfD und fast alle etablierten Pa
 rteien haben sich untereinander verständigt\, dass “die Migration” da
 s Problem sei. Unterschiede gibt es lediglich formelle\, wie “das Proble
 m” gelöst werden soll. Das rechte Narrativ vom “Fremden” und “und
 eutschen” als Feind hat sich in der Mehrheitsgesellschaft durchgesetzt u
 nd Menschen\, die einen vermeintlichen Migrationshintergrund haben\, wird 
 immer noch abgesprochen\, Teil dieser Gesellschaft zu sein.\n\nDie Entwick
 lung der letzten Monate und Jahre gerade in Sachsen zeigt\, wie sehr aus d
 em rhetorischen Kampf\, wiederum Realpolitik entsteht.\nDer sächsische Mi
 nisterpräsident Kretschmer fordert bereits seit längerem einen Kurswechs
 el im Umgang mit den “Themen” der AfD und der Partei an sich. Erst die
 ses Jahr erklärte er\, es sei notwendig “die Realitäten in unserem Lan
 d anzuerkennen und wahrzunehmen\, was die Mehrheit der Menschen einfordert
  von der Politik – allem voran beim Thema Migration”.\n\nGeleugnet wir
 d dabei stets\, dass diese eingeforderte rassistische Politik eben nicht e
 infach so aufgekommen ist\, weder erst mit der Gründung der AfD\, noch is
 t sie einfach vom Himmel gefallen. Die fortschreitende Radikalisierung aut
 oritärer und menschenfeindlicher Ansichten hat sich in der gesamten polit
 ischen Landschaft im Freistaat und auch auf Bundesebene bemerkbar gemacht.
  Grenzkontrollen\, Abschiebungen\, rassistische Narrative und Racial Profi
 ling sind schon lange keine Praxen mehr\, die für politischen Aufruhr sor
 gen.\n\nDiese – die deutschen – Zustände töten. Sie töten außerhal
 b des eigenen Staatsgebietes\, in dem sie Menschen den räumlichen Zugang 
 zu Sicherheit vor Krieg und Armut verweigern. Sie töten an den europäisc
 hen Außengrenzen\, wo sie mit Frontex mitverantwortlich für Push-Backs u
 nd massenhaftes Ertrinken im Mittelmeer sind. Und sie töten hier\, in Deu
 tschland\, in Sachsen\, in Leipzig durch konkrete Individuen\, die es sich
  zur Aufgabe gemacht haben\, “Volk” und “Vaterland” bis aufs Blut 
 zu verteidigen. Dass es das Blut derer ist\, die sie als “anders” begr
 eifen\, versteht sich von selbst und sie können sich als legitime Vollstr
 ecker des Volkswillens der schweigenden Mehrheit und AfD-Wähler*innen fü
 hlen.\n“Die Mauer fiel uns auf den Kopf” – Iman al Nassre und Diane 
 Izabiliza\nEin Blick auf die Dokumentation rechter Übergriffe zeigt\, das
 s es sich dabei nicht um ein neueres Phänomen handelt\, sondern dass sich
  diese Entwicklung seit den 1990er-Jahren hinzieht. Der Mauerfall und die 
 ihn umgebenden Narrative ließen eine wichtige Komponente außen vor: Das 
 Rassismus und rechte Gewalt Motoren der deutschen Wende waren. Sie trugen 
 zum Entstehen einer militanten Neonaziszene in Gesamtdeutschland bei\, die
  schließlich zur Gründung von Neonazi-Terrororganisationen wie dem “Na
 tionalsozialistischen Untergrund” (NSU) führten. Grundlage hierfür ist
  die Fortexistenz nationalsozialistischer Ideologiefragmente – sowohl in
  Ost-\, als auch in Westdeutschland – sowie die sogenannte Wiedervereini
 gung\, die wie ein Fanal auf die rechte Szene wirkte. Die Wende brachte di
 e Möglichkeit\, deutsche Geschichte neu zuschreiben. Auf einmal war “ma
 n wieder wer”\, man war “ein Volk”.\n\nUnd in Leipzig\, dem selbster
 nannten Nabel der “Wiedervereinigung” erst recht. Durch die Beschwöru
 ng eines demokratischen und antidiktatorischen Aufstands im Jahr 1989 wurd
 e ein Mythos geschaffen\, der dem nationalen Kollektiv einen positiven Bez
 ug auf Deutschland ermöglichen soll. Die Zelebrierung einer quasi zweiten
  – aber diesmal durchweg positiv besetzten – Geburt der Berliner Repub
 lik geht mit der rhetorischen Gleichsetzung von DDR und Nationalsozialismu
 s einher. Die Deutschen werden dadurch nicht nur zu bloßen Opfern zweier 
 Diktaturen stilisiert\, vielmehr gelingt es ihnen\, sich von der Verantwor
 tung für die Verbrechen des Nationalsozialismus weiter zu lösen.\n\nSo w
 ird die Erzählung von einem geläuterten Deutschland\, das die Lehren aus
  der Geschichte gezogen habe und nun als eine bessere Nation mit unbeschwe
 rtem Selbstbewusstsein auftreten kann\, aufs Neue bekräftigt. In der voll
 zogenen Geschichtsglättung gibt es selbstverständlich keinen Platz für 
 widersprüchliche oder gar negative Aspekte\, die dem konstruierten Selbst
 bild entgegen stehen. Stimmen von Betroffenen und jenen\, die eben keinen 
 Platz im nationalen Kollektiv haben\, werden nicht gehört.\n\nEine an St
 ärke gewinnende Rechte konnte sich so als Vollstrecker des Volkswillen ve
 rstehen und in den Asylrechtsverschärfungen nach Pogromen in Deutschland\
 , wie in Rostock-Lichtenhagen gaben Staat und Gesellschaft ihnen Recht. In
  diesem Rahmen werden der brutale Anstieg von Antisemitismus und Rassismus
  nach der “Wiedervereinigung” und die bis heute existenten menschenver
 achtenden Einstellungen in der Bevölkerung konsequent verschwiegen.\n“W
 as möchte die Staatsanwaltschaft sehen\, damit sie sicher ist\, dass Kama
 l das Opfer eines geplanten\, rassistischen Mordes geworden ist?” – Ka
 mals Mutter\nSeit dem militärischen Sieg der Alliierten über den Nationa
 lsozialismus im Jahr 1945 sind in den postnationalsozialistischen deutsche
 n Staaten über 400 Menschen Opfer rechter Gewalt geworden. Die Fälle rec
 hter Gewalt sind so verschieden wie die Lebensrealitäten der Betroffenen 
 – und doch eine gemeinsame Erfahrung: Ihre Geschichten wurden verdrängt
 \, verharmlost oder ganz vergessen.\n\nLassen sich staatliche Akteur*innen
  dazu herab\, über rechte Morde zu sprechen\, werden die konkreten Grund
 überzeugungen\, die sie bedingen\, in der Regel nicht benannt. Wenn rassi
 stische\, sozialdarwinistische oder auch homosexuellenfeindliche Taten nic
 ht als solche benannt werden\, wenn nicht klar gemacht wird\, dass Persone
 ngruppen gezielt als Opfer ausgewählt werden\, der auch ein Großteil der
  Bevölkerung feindlich gegenüberstehen\, dann werden die Hintergründe v
 erleugnet und die Verstrickung der Gesellschaft in die Taten verschleiert.
 \n\nRechte Gewalt ist eben keine Gewalt\, die sich gegen “uns alle” ri
 chtet\, das ist eigentlich auch allen bewusst. Sie ist immer auch eine Bot
 schaftstat an die\, die vermeintlich nicht dazugehören\, die aus dem deut
 schen Kollektiv ausgeschlossen werden. Deshalb wird sich nicht mit ihren B
 edingungen befasst\, deshalb wird sie nicht verhindert. Für den Staat und
  die Dominanzgesellschaft gibt es kein eigenes Interesse\, sich damit zu b
 efassen. Sie sind nicht betroffen. Im Gegenteil: Sie tragen weiterhin zum 
 Bestehen dieser menschenfeindlichen Strukturen bei.\n\nWährend wir in Lei
 pzig von zehn Todesopfern rechter Gewalt und einem weiteren Verdachtsfall 
 ausgehen\, erkennt der deutsche Staat nur Kamal K.\, Achmed B.\, Nuno L. u
 nd Thomas K. als solche an. In Deutschland sind es oftmals die Hinterblieb
 enen\, die um die Anerkennung ihrer ermordeten Angehörigen und gegen das 
 Vergessen kämpfen. Ohne ihre unerbittliche Arbeit – das beharrliche Eri
 nnern\, das Sammeln von Beweisen\, das öffentliche Sichtbarmachen der Tat
 en – wären viele dieser Morde längst im Dunkeln der Geschichte verschw
 unden.\n\nDer gesellschaftliche und staatliche Unwille zur Auseinandersetz
 ung und Aufarbeitung zeigt sich auch in der Art\, der Opfer zu gedenken. W
 ährend die Stadt Leipzig jährlich Kränze zum sogenannten Volkstrauertag
  niederlegt\, fanden die Opfer rechter Gewalt selten Eingang ins städtisc
 he Bild. Lange gab es keine Tafeln oder anderweitige Gestaltung von Gedenk
 orten\, um ihrer zu erinnern. Die heute an den Tatorten vorzufindenden Den
 kmäler entstanden durch Initiative von Betroffenen und Hinterbliebenen\, 
 wurden von solidarischen Menschen unterstützt und mussten oft staatlichen
  Institutionen abgerungen werden.\n\nDie offizielle Erinnerung wird zur B
 ühne der Selbstinszenierung: Reden\, Kränze\, mahnende Worte – alles m
 it dem Ziel\, die eigene moralische Integrität zu demonstrieren. Ein Beis
 piel davon war 2024 in Gaschwitz beim Gedenken an Nuno L. zu erleben. Hier
  hielt der Bürgermeister von Markkleeberg nach einem Projekttag mit Schü
 ler*innen eine Rede in der es mehr um die gesellschaftliche Entwicklungen 
 und möglichen Wahlen in den USA ging als um den rechten Mord in Gaschwitz
 . Nicht darum\, dass die Täter von damals noch heute in der Region leben.
  Nicht darum\, wie sich die Gesellschaft in Sachsen entwickelt und die AfD
  zu jenem Zeitpunkt davor Stand\, die Landtagswahl in Sachsen zu gewinnen.
 \n\nEin solch selektives Gedenken – mangelnde Sichtbarkeit im städtisch
 en Raum sowie fehlende Aufarbeitung rechter Strukturen und gesellschaftlic
 her Verhältnisse\, aber Erinnern\, wenn es das städtische Image verlangt
  – instrumentalisiert Gedenken auf illegitime Weise. Dabei geht es nicht
  um die Betroffenen\, nicht um die Hinterbliebenen\, nicht darum zu verhin
 dern\, dass sich solche Taten wiederholen. Es geht lediglich um ein geläu
 tertes Image der Stadt. Aus solchem Gedenken folgt nichts.\n“Deutschland
  und Stadt Hanau schulden mir ein Leben.” – Emis Gürbüz\nNach einem 
 Jahrelangen Kampf ist nun ein Dokumentationszentrum zum NSU „Offener Pro
 zess“ in Chemnitz eröffnet worden. Dort können die rassistischen Ermit
 tlungsansätze\, die Verstrickungen der Behörden und auch der Kampf der A
 ngehörigen um Anerkennung sehr gut nachvollzogen werden. Ein Besuch ist u
 nbedingt empfehlenswert.\n\nTrotzdem kann man sich fragen\, ob durch eine 
 solche Institutionalisierung von Gedenken – der Staat als Geldgeber – 
 der widerspenstige Stachel gezogen wird. Selbst im neuen Koalitionsvertrag
  hat man sich darüber verständigt\, dass ein neues NSU-Dokumentationszen
 trum entstehen soll. Söder hat sich höchstpersönlich dafür eingesetzt\
 , dass es nach Nürnberg kommt. Die Beauftragte kann also verlauten: “Da
 s ist für Nürnberg jetzt eine Riesenchance und ich glaube\, das haben wi
 r auch verdient\, weil wir so viel Vorarbeit geleistet haben.” Die CSU h
 at es sich redlich verdient\, eine neue Touristenattraktion in Söders Hei
 matstadt!\n\nOder eben wie im Fall Emis Gürbüz\, die einen Eklat auf der
  diesjährigen Gedenkveranstaltung in Hanau ausgelöst hat\, da sie wagte\
 , Kritik an Staat und Stadt zu üben. Jetzt soll ein solches Gedenken laut
  der Stadt Hanau so nicht mehr stattfinden. Gedenken ja\, aber bitte ohne 
 Kritik der Angehörigen an staatlichen Institutionen.\n\nDoch nicht nur de
 r Staat instrumentalisiert. Immer wieder kann beobachtet werden\, dass bes
 timmte Strömungen der radikalen Linken sich dem Gedenken aus instrumentel
 len Gründen widmen\, die es bisher nicht getan haben. Hierbei negieren si
 e häufig die zentralen Bestandteile\, die Rassismus\, Antisemitismus\, So
 zialdarwinismus\, Sexismus und Homosexuellenfeindlichkeit für die Struktu
 r der Gesellschaft\, in der wir leben\, haben.\nSie werden zu Nebenwidersp
 rüchen delegiert\, die nach ihrer “Revolution” nicht mehr von Belange
 n seien und somit eine dezidierte Auseinandersetzung mit den Hintergründe
 n rechter Gewalt verunmöglicht. Es wird sich des eigenen Standpunktes sel
 bst vergewissert\, indem Ermordete zu “Märtyrer*innen” einer Klasse s
 tilisiert werden\, die “im Kampf für unsere Sache gefallen” seien. Di
 e eigene “Kampfesbereitschaft” wird immer wieder betont\, auch wenn ma
 n weder die Begrifflichkeiten\, noch die Theorie oder die Praxis hat – o
 der überhaupt haben will – um sich der tödlichen Gewalt entgegen stell
 en zu können.\nGedenken autonom\, antifaschistisch\nEs muss also ein auto
 nomes\, antifaschistisches Gedenken geben. Aber warum überhaupt Gedenken?
  Gedenken bedeutet Unversöhnlichkeit mit der Geschichte. Es richtet den B
 lick nicht auf das\, was gesiegt hat\, sondern auf das\, was gescheitert i
 st. Eine antifaschistische Bewegung braucht ein historisches Bewusstsein\,
  das aus der Vergangenheit heraus in der Gegenwart für die Zukunft kämpf
 t.\n\nWas heute allzu oft als Erinnerungskultur inszeniert wird\, verdient
  diesen Namen nicht. Es handelt sich vielfach um ein entkerntes\, staatstr
 agendes Gedenken\, dessen Hauptzweck nicht die Aufarbeitung\, sondern die 
 Selbstvergewisserung ist. Solches Gedenken ist illegitim\, weil es die Urs
 achen der Verbrechen systematisch entpolitisiert\, ihre Fortdauer leugnet 
 und das eigene Kollektiv reinwaschen will. Es schützt nicht vor Wiederhol
 ung\, es bereitet sie vor.\n\nDie offizielle Erinnerung wird zur Bühne de
 r Selbstinszenierung: Reden\, Kränze\, mahnende Worte – alles mit dem Z
 iel\, die eigene moralische Integrität zu demonstrieren. Wo Gedenken zur 
 rituellen Pflichtübung verkommt\, die Schuld delegiert und gesellschaftli
 che Verantwortung verschleiert\, dient es nicht der Wahrheit\, sondern der
  Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes – individuell wie kollek
 tiv.\n\nWarum aber hat dieses Gedenken Erfolg? Weil es bequem ist. Weil es
  die narzisstischen Bedürfnisse einer Gesellschaft bedient\, die sich als
  geläutert feiern will\, ohne sich tatsächlich zu verändern. Gedenken i
 st nicht neutral – es ist ein politischer Akt. Und wer bestimmt\, wie er
 innert wird\, bestimmt auch\, was gesagt wird\, was vergessen werden darf.
  Politische Interessen erfordern ein stabiles nationales Narrativ – selb
 st wenn das heißt\, Neonazismus zu relativieren\, institutionellen Rassis
 mus zu leugnen oder die Rolle staatlicher Strukturen bei historischen Verb
 rechen zu verharmlosen. Besonders in Deutschland gehört zum Staatsgedäch
 tnis auch die Inszenierung der Bewältigung – eine Art moralischer Schlu
 ssstrich\, der jede tiefere Infragestellung des Kollektivs abwehrt.\n\nKri
 tisches Gedenken jedoch muss genau das Gegenteil tun\, nur so kann Solidar
 ität entstehen. Gedenken\, das sich den Verstorbenen wirklich verpflichte
 t fühlt\, muss sowohl die unaufgearbeiteten Strukturen ins Visier nehmen\
 , die das Unrecht erst möglich machten\, als auch die eigenen\, viel zu b
 equemen und oft blinden Verstrickungen in den fortbestehenden Status quo e
 rkennen. Wer sich nicht selbst in die Schuldzusammenhänge begreift\, kann
  auch nicht kritisch Gedenken. Kritisches Gedenken ist Selbstverunsicherun
 g und Selbstkritik des Eigenen. Nur durch einen radikalen Bruch mit der In
 szenierung\, dem ewigen Gedächtnistheater kommen wir dem einen Schritt n
 äher – durch Bildung\, Aufklärung und Protest. Alles andere ist Verdr
 ängung mit Blumenstrauß.\n“Die Gewalt kam damals zu uns” – Nanuk\n
 Über viele Jahre hinweg galt insbesondere Leipzig als “liberale linke I
 nsel” im ansonsten braunen Freistaat Sachsen\, wo gesellschaftskritische
 s Engagement möglich war\, ohne gleich am nächsten Morgen von Cops mit W
 affen im Anschlag aus dem Bett gezerrt zu werden – wie es z.B. erst kür
 zlich dem Hausprojekt Hospi30 in Görlitz wegen antifaschistischer Plakate
  widerfahren ist. Dies ist allerspätestens in Leipzig mit dem Antifa Ost 
 – Verfahren und der gegründeten SoKo LinX vorbei. Aus unserer Sicht sin
 d diese Entwicklungen einer immer reaktionäreren Politik\, Formen soziale
 r Verhärtung und einer weiteren Aufrüstung im Inneren. Der besonders in 
 Sachsen geführte Kampf gegen den sogenannten Extremismus ist eine Kampfan
 sage an die gesellschaftskritische Opposition und die Vorbereitung\, eben 
 jene nicht von rechts kommende\, endgültig zum Schweigen zu bringen.\n\nD
 ie Einteilung in “guten” und “bösen” Antifaschismus – einen sta
 atskonformen und einen konsequenten autonomen – wird in Sachsen seit jeh
 er vorgenommen und überrascht uns keineswegs. Emanzipatorische\, linke un
 d antifaschistische Politik musste in Sachsen seit jeher erst aufgebaut\, 
 Freiräume erkämpft und dann immer wieder verteidigt werden – nicht nur
  gegen Neonazis oder staatliche Repression. Antifaschistisch aktiv zu sein
 \, war kein Hobby sondern Lebensrealität.\n\nDie Praxis richtete sich auc
 h gegen die lokale Bevölkerung. So antwortete die antifaschistische Grupp
 e Erfurt dem Antifa Kalender auf die Frage “Seht ihr euch als spezifisch
  ostdeutsche Antifas und was folgt daraus?” wie folgt:\n“Wir brauchen 
 wirklich niemandem hier die spezifische Kontinuität nazistischer Gewalt i
 m Osten erklären – der NSU konnte hier folgerichtig gedeihen. In Ostdeu
 tschland aktiv zu sein heißt\, dass man recht schnell erkennt\, dass man 
 den Kampf für die befreite Gesellschaft nicht mit\, sondern gegen »das V
 olk« organisieren muss. D.h. also antifaschistische Arbeit richtet sich h
 ier gegen die Masse der Bevölkerung\, die sich zwischen Gleichgültigkeit
 \, klammheimlicher Freude und aktivem Zuspruch für eine autoritär-faschi
 stische Entwicklung zeigt. Wenn also irgendwo irgendwelche Roten die Masse
  des Volkes adressieren\, wird man generell und im Speziellen in Ostdeutsc
 hland entweder scheitern oder den MaKssDamage machen müssen.\nWeil es sic
 h bei dieser Masse des Volkes nämlich um ein Mordkollektiv im Wartezustan
 d handelt\, bringen die Worte unserer Südthüringer Genoss*innen die Notw
 endigkeit negatorischer\, antagonistischer Politik auf den Punkt: »Dieser
  Antifaschismus ist antideutsch\, oder er hat seinen Gegenstand nicht begr
 iffen. Wenn das spezifisch ostdeutsch ist\, dann nehmen wir uns dessen an.
 «”\nAuch wir stellen fest\, dass die Perspektiven der Antifaschist*inne
 n\, die in der DDR geboren und im post-sozialistischen Osten aufgewachsen 
 sind\, sich bis heute nur selten in Strategiedebatten der westdeutschen An
 tifa wieder findet\, wie der “Zeit zu Handeln” – Aufruf gezeigt hat.
  Eine ostdeutsche Sozialisation\, der politische Umbruch und die allgegenw
 ärtige Präsenz von Neonazis und die permanente rechte Gewalt passen nich
 t so recht zu den K-Gruppen und anderen Spaltungslinien einer westdeutsche
 n Linken. Die Geschichte und der Eigencharakter der ostdeutschen Antifasch
 ist*innen scheinen bis heute nur wenig anschlussfähig zu sein. Bis auf di
 e Gruselgeschichten\, wie Anfang der Neunzigerjahre besetzte Häuser gegen
  Neonaziangriffe verteidigt werden mussten\, mangelt es auch weiterhin am 
 Interesse an einer ostspezifischen Bewegungsperspektive.\n\nWir sind weit 
 davon entfernt\, Antworten oder neue Strategien auf die gesellschaftlichen
  Entwicklungen zu haben\; und was wir in der Rückschau auf die Ereignisse
  in Leipzig nach dem Urteil im Antifa Ost – Verfahren gar nicht empfehle
 n können\, ist\, sich im aktuellen Zustand linker Bewegung in Leipzig und
  dem Rest des Landes auf eine offene Auseinandersetzung mit dem Staat einz
 ulassen. Wir denken\, es braucht vielmehr wieder eine Diskussion über die
  Bedingungen linker Politik und Organisierung\, die auch die unterschiedli
 chen lokalen Bedingungen in den Blick nimmt.\nAgieren autonom\, antifaschi
 stisch\nIn einem solchen gesellschaftlichen Klima entstehen Initiativen\, 
 Gruppen und Bewegungen\, die sich gegen diese Zustände organisieren. Anti
 rassismus und Antifaschismus sind keine ideologischen Sonderpositionen\, s
 ondern notwendige Reaktionen auf reale Bedrohungen.\n\nDie Morde des NSU\,
  von Hanau\, Halle\, München und so viele mehr\, der kontinuierliche Aufb
 au rechter Netzwerke in Polizei und Bundeswehr\, aber auch alltägliche ra
 ssistische Gewalt machen deutlich: Es braucht Menschen\, die sich diesen E
 ntwicklungen in den Weg stellen – öffentlich\, kollektiv\, entschlossen
 \, militant. Dabei geht es nicht nur um Symbolik oder Demonstrationen\, so
 ndern auch um praktische Solidarität\, um Schutzräume und um konkrete In
 terventionen gegen rechte Strukturen.\n\nEin autonomes\, antifaschistische
 s Gedenken ist mehr als nur das Erinnern an vergangene Verbrechen. Es ist 
 eine aktive\, kritische Praxis\, die sich gegen die Verharmlosung\, Instru
 mentalisierung und das Vergessen stellt. Doch um wirklich etwas zu veränd
 ern\, reicht es nicht\, nur in Gedanken dabei zu sein oder auf Institution
 en zu vertrauen. Es ist notwendig\, sich autonom antifaschistisch zu organ
 isieren – jenseits von Ritualen und eines allgemeinen Habitus. Nur durch
  eigenständiges Agieren\, durch direkte Interventionen und solidarisches 
 Eingreifen können wir den rechten Strukturen entgegentreten.\n\nDieses Ag
 ieren muss eine Haltung sein\, die sich nicht mit oberflächlichen Rituale
 n zufrieden gibt\, sondern tief in der Gesellschaft ansetzt. Es bedeutet\,
  die eigenen Verstrickungen zu reflektieren\, Machtverhältnisse zu hinter
 fragen und sich gegen staatliche und gesellschaftliche Vereinnahmungen zu 
 stellen. In der Praxis heißt das: Wir müssen aktiv gegen rechte Struktur
 en vorgehen\, sie sichtbar machen und ihnen entgegenstehen. Das bedeutet\,
  sich selbst zu organisieren\, ohne autoritäre Top-down-Strukturen\, unab
 hängig von staatlichen Vorgaben und gemeinsam für eine antifaschistische
  Praxis einzustehen. Es ist Zeit\, die Hände aus dem Schoß zu nehmen.\nH
 ier könnten wir die inhaltslosen Durchhalte-Parolen wiederholen\, die zu 
 jeder Zeit und an jedem Ort gedroschen werden. Das war uns dann aber doch 
 zu doof.\n\nGedenken erkämpfen – antifaschistisch\, autonom\n25.10.2025
 \; um 14 Uhr\nEcke Karl-Liebknecht-Straße/Schletterstraße\n\nhttps://www
 .rassismus-toetet-leipzig.org/index.php/demo-25-10-25/\n\nhttps://www.plan
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