FURIA Newsletter Oktober 2023

Liebe Projekte, Initiativen und Aktive,

auch im Oktober gibt es wieder eine neue Ausgabe des FURIA-Newsletters! FURIA steht dabei für feministisches Umland – Rechts ins Abseits!!! Außerdem gibt es uns auf Instagram: @furia_newsletter.

Wie immer gibt es eine fröhliche Sammlung an spannenden Veranstaltungen. Wir freuen uns über Hinweise für den nächsten Monat: alles an Aktions- und Polit-Ideen, Veranstaltungsformaten, Organisierung und Unterstützungsangeboten – wie gehabt an der Schnittstelle von (Queer-)Feminismus und aktiv gegen Rechts.

Viel Power und viele neue spannende Perspektiven

wünscht euch, mit solidarischen Grüßen, die FURIA Crew

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VERANSTALTUNGEN (ONLINE&OFFLINE)
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LUCA Filmtour – Kurze Filme für Geschlechtergerechtigkeit

14.10. Zwickau / 15 Uhr Workshop: Guck mal wer da spricht – Wie Filme unsere Idee von Geschlecht beeinflussen / 16:30 Uhr Filmprogramm / Alter Gasometer
20.10. Hoyerswerda / 17 Uhr / Jugendclubhaus OSSI
6.11. Görlitz / 18:30 Uhr / Camillo Kino
14.11. Wurzen / 19 Uhr / Kultur- und Bürger_innenzentrum D5
30.11. Plauen / 18 Uhr / Malzhaus

Die fünf ausgewählten Filme aus dem Programm des FILMFEST DRESDEN zeigen eine Vielfalt der Geschlechter und Lebensweisen. Auf das Publikum wartet der diesjährige Gewinnerfilm des LUCA Filmpreis für Geschlechtergerechtigkeit, der eine queere Pionierin visueller Kunst portraitiert und daran erinnert, dass die Namen vieler weiblichen Visionärinnen, die diese Kunst prägten, meist vergessen wurden. Das Filmprogramm hinterfragt stereotype Vorstellungen von Geschlechterrollen, gibt Einblicke in die Lebenswirklichkeit queerer Menschen und People of Color und fordert traditionelle Erwartungen heraus. Es zeigt: Menschen sind vielfältig und Vielfalt bereichert unsere Gesellschaft.
Im Anschluss an das Programm gibt es die Möglichkeit für Gespräch und Diskussion. An einzelnen Spielorten werden Filmschaffende persönlich vor Ort sein und über ihren Film sprechen.
Eintritt frei, wir freuen uns über eine Spende. Das Filmprogramm wird in deutscher Sprache bzw. mit deutschen Untertiteln präsentiert.

Mehr Infos unter: https://www.filmfest-dresden.de/de/projekte/kurzfilmtour-fuer-geschlechtergerechtigkeit

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Online Vernetzungstreffen: „Queer in den Landkreisen“
Datum: 14.10.2023, 13:00 – 16:00 Uhr

Ihr betreibt einen kleinen queeren Treff, organisiert kulturelle oder Freizeitangebote von und für lsbtianq* Personen oder führt Veranstaltungen (z.B. CSD, IDAHIT) für mehr Akzeptanz gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt durch? Und das auf dem Dorf, in der Kleinstadt oder der städtischen Peripherie? Ihr habt Lust, etwas bei euch vor Ort für queere Menschen zu bewegen oder seid schon längst dabei? Ihr möchtet euch sachsenweit connecten und austauschen? Here we go! Fühlt euch herzlich eingeladen zu einem ersten landesweiten Online-Vernetzungstreffen. Darin wird es in kleineren und größeren Gruppen Raum geben für gegenseitiges Kennenlernen und zum Austausch über Themen und Anliegen, die euch bewegen. Das Format richtet sich an Initiativen, Gruppen, Einzelpersonen, die queere Angebote in den Landkreisen Sachsens vorhalten. Initiativen aus Leipzig, Chemnitz und Dresden sind daher (leider) nicht eingeladen.

Anmeldung (Zugangslink nach Anmeldung) unter: info@queeres-netzwerk-sachsen.de.
Mehr Infos unter: https://www.genderkalender.de/veranstaltungen/online-vernetzungstreffen-queer-in-den-landkreisen/

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Online Vortrag und Diskussion: Antifeminismus erkennen – Demokratie stärken in Sachsen. TolSax Konkret: Teil 1
Datum: 25.10.2023, 15:00 – 17:00 Uhr

Autoritäre Einstellungen und antidemokratische und rechte Ideologien stehen oft in Verbindung mit Antifeminismus. Antifeminismus fungiert dabei als rechte Brückenideologie, die verschiedenste Strömungen eint. Der erste Teil der TolSax Konkret soll grundlegende Fragen und Begriffe aus wissenschaftlicher Perspektive klären: Was bedeutet Antifeminismus, auch in Abgrenzung zu sexistischen und misogynen Haltungen? Was hat das mit Demokratie zu tun? Welches Ausmaß hat das Problem derzeit – und warum ist es so gefährlich? Kann Antifeminismus als Einstieg in (extrem) rechtes Gedankengut bezeichnet werden? Und vor welchen Herausforderungen stehen wir im ländlichen Raum in Sachsen?
Der Vortrag am 25. Oktober 2023 mit anschließenden Workshops am 02. November 2023 richtet sich an Vereine, Organisationen und Initiativen, sich in Sachsen für Demokratie und gegen Rassismus einsetzen.

Anmeldung (Zugangslink nach Anmeldung): veranstaltung@tolerantes-sachsen.de.
Mehr Infos unter*: https://www.tolerantes-sachsen.de/25-10-02-11-antifeminismus-erkennen-demokratie-starken-in-sachsen-online/

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Vortrag und Diskussion: Migrant*innen brauchen eigene Räume
Datum*: 14.10.2023, 14:00 – 16:00 Uhr
Ort: Subbotnik, Vettersstraße 34a, 09126 Chemnitz

Das „Internationale Zentrum für Demokratie und Aktion“ ist eine Initiative von Migrant*innen in Chemnitz. Sie gehören zu verschiedenen Communities, sprechen verschiedene Sprachen, haben verschiedene Kulturen und Religionen. Aber sie alle wollen sich für Demokratie und ein besseres Leben für Migrant*innen und geflüchtete Menschen in Chemnitz einsetzen. Deswegen gründen sie ein soziales, politisches und kulturelles Zentrum – das IZDA. Sie brauchen einen Ort, um Veranstaltungen, Beratung und Bildung zu organisieren. Vor allem wollen sie Organisationen von Migrant*innen ermöglichen, ihre Räume zu nutzen und gemeinsam zu gestalten.
Wir wollen zusammen diskutieren, welche Probleme es für Migrant*innen in Chemnitz gibt, wie wir damit umgehen wollen und warum eigene Organisationen von Migrant*innen so wichtig sind. Wir wollen das IZDA weiter entwickeln und mit euch diskutieren, warum wir selbstorganisierte Räume wie das IZDA in Chemnitz brauchen. Diese Veranstaltung richtet sich insbesondere an Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Wir freuen uns auf euch!

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Kritischen Einführungstage Chemnitz statt. Infos zu den weiteren Veranstaltungen gibt es hier: https://kretakms.blackblogs.org/

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Lesung/Gespräch: Die Optimistinnen. Roman unserer Mütter
Datum: 14.10.2023, 19:00 – 21:00 Uhr
Ort: Projekt46, Hauptstraße 46, 08056 Zwickau

Eine neue Perspektive auf die Geschichte der Gastarbeiterinnen. Die 22-jährige Nour kommt in den siebziger Jahren nach Deutschland, um zu arbeiten. Sie ist eine der vielen Gastarbeiterinnen, sie ist jung, motiviert und optimistisch. Nour kommt aus Istanbul und lebt nun in einem Wohnheim in der Oberpfalz, mit Frauen aus Spanien, Italien, Griechenland, Jugoslawien, Marokko, Tunesien oder der Türkei. Während Nour Minirock trägt, tragen die oberpfälzischen Frauen im Dorf Kopftuch. Die Arbeitsbedingungen in der Fabrik sind fragwürdig, die Entlohnung ist nicht gerecht. Als Nour vom Frauenstreik im Thüringen der zwanziger Jahre erfährt, ist sie inspiriert und stellt sich diesem Land: Gemeinsam mit all ihren Freundinnen wird sie für die Rechte der Arbeiter und vor allem der Arbeiterinnen kämpfen.

Mehr Infos unter: https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/C92SV/die-optimistinnen?cHash=f2c70c1ccd6a345ff54480c4403d2b94

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Vortrags- und Diskussionsreihe: Wege aus der Linken Krise
Montag, 16. Oktober: Die gesellschaftliche Linke in Zeiten multipler Krisen

Wir leben in einer Zeit multipler Krisen: Klimawandel und damit einhergehende extreme Wetterereignisse, Wirtschaftskrisen, Inflation und die Prekarisierung von Lohnarbeit, die sogenannte Zeitenwende mit der Zuspitzung militärischer Konflikte, das Erstarken der extremen Rechten auf unterschiedlichen Ebenen sind problematische Entwicklungen der heutigen Zeit. Diese führen zu Ängsten und nicht zuletzt innerhalb der gesellschaftlichen Linken zu einem Gefühl der Ausweglosigkeit. In unserer Veranstaltung wollen wir diskutieren, wo wir als Linke im gesamtgesellschaftlichen Gefüge stehen und welche Handlungsoptionen in der derzeitigen Situation zielführend sein können. Darüber hinaus wollen wir uns ansehen, was es bereits an positiven, linken Antworten auf die Krisen gab, ebenso die Verfehlungen analysieren und betrachten welche innerlinken Konflikte sich verfestigt haben. In der Diskussion werden wir uns sowohl parlamentarischen als auch außerparlamentarischen Blickwinkeln nähern.

Montag, 23. Oktober: Vom Gebrauchswert der Linken
Übertragung der Veranstaltung aus Leipzig mit der Möglichkeit, vor Ort über die Inhalte der Podiumsdiskussion ins Gespräch zu kommen
Die Partei DIE LINKE. steckt seit längerem in der Krise. Bei der letzten Bundestagswahl schaffte sie es nur dank dreier Direktmandate überhaupt in den Bundestag. Seitdem lähmt der innerparteiliche Streit, mehr als 8.000 Mitglieder haben die Partei verlassen. Welchen Gebrauchswert hat sie als linke, sozialistische Partei eigentlich noch? Wie viel Gemeinsames und wie viel Trennendes gibt es und wie viel Trennendes ist trag- und aushaltbar? Wie und wo können einzelne Konflikte produktiv diskutiert und aufgelöst werden? Und wie ist eigentlich das Verhältnis von Partei zur Bewegung?
Diese und weitere Fragen wollen wir mit Juliane Nagel (seit ca. 25 Jahren in der Partei DIE LINKE. aktiv) und Ines Schwerdtner (Parteimitglied seit 2023) diskutieren. Der Zustand der Partei stellt dabei den Ausgangspunkt, keineswegs jedoch den Horizont der Diskussion, dar. Schließlich geht es um eine gesamtgesellschaftlich handlungsfähige Linke. Und diese benötigt eine starke LINKE. Oder?
* Leipzig – Neues Schauspiel: Podiumsdiskussion live
* Dresden – Wir AG: Stream und Diskussion vor Ort
* Görlitz – Camillo Kino: Stream und Diskussion vor Ort
* Chemnitz – Bürger*innenbüro MdL Susanne Schaper: Stream und Diskussion vor Ort
* Zwickau – Gewerkschaftshaus: Stream und Diskussion vor Ort

Mehr Infos unter: https://sachsen.rosalux.de/news/id/50854/veranstaltungsreihe-wege-aus-der-linken-krise

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Austausch: Ideenfabrik – Rechtsextremismus in Döbeln und Mittelsachsen
Datum: 18. Oktober, 18:30 – 20:30 Uhr
Ort: Café Courage, Bahnhofstraße 56 ,04720 Döbeln

Bei der zweiten Ideenfabrik, dem Beteiligungs- und Mitmachformat der WerkStadt wollen wir uns der Problematik der extremen Rechten in Döbeln und der Region annähern. Gemeinsam mit Expert*innen wird ein Überblick über Akteure und Geschehnisse erarbeitet und gemeinsame Handlungsstrategien diskutiert. Die Veranstaltung richtet sich an alle interessierten Bürger*innen und mitgebrachtes Vorwissen ist nicht nötig.

Mehr Infos unter*: https://treibhaus-doebeln.de/event/ideenfabrik-rechtsextremismus-in-doebeln-und-mittelsachsen/

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Austausch und Film: Can you hear us? – Queere Orte im ländlichen Sachsen feat. NEUBAU
Datum: 19. Oktober, 18:00 – 21:00 Uhr
Ort: Café Courage, Bahnhofstraße 56, 04720 Döbeln

Queere Menschen waren schon immer Teil des Gemeindelebens in ländlichen und kleinstädtischen Räumen in Sachsen. Doch aufgezeichnet wurde ihre Geschichte selten. Unsere kollektive Erinnerung reicht nur bruchstückhaft ein paar Jahrzehnte zurück. Der Großteil queerer, ländlicher Geschichte wird für uns unsichtbar bleiben. Unsichtbarkeit bestimmt bis heute Lebenserfahrungen queerer Menschen in den sächsischen Landkreisen. „Can you hear us?“ möchte dem etwas entgegensetzen. Die Karte (siehe www.queeres-sachsen.de) macht Stimmen, Erfahrungen und Sehnsüchte hörbar. In drei Zeitebenen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) wird auf je andere Weise von queeren Erfahrungen in den Landkreisen Leipzig, Nord- und Mittelsachsen erzählt. Die Kartierung bleibt dabei notwendigerweise unvollständig; sie ist als Anregung zum eigenständigen Weitersuchen, aber auch als Einladung zum Fantasieren zu verstehen: Denn da, wo uns Geschichte verwehrt wurde, können wir sie uns zumindest ausmalen. In der Veranstaltung werden die Karte und die Eintragungen, insbesondere in Mittelsachsen, durch das Projektteam in Bild und Ton präsentiert.

Im Anschluss schauen wir den Film NEUBAU:
Spielfilm, BRD 2020, Regie: Johannes M. Schmit, 81 min, ab 16 Jahren, Deutsch mit englischen Untertiteln
Markus (Tucké Royale) ist trans, lebt in der Uckermark und kümmert sich dort um seine pflegebedürftigen Großmütter. Doch je länger er dort wohnt, desto mehr sehnt er sich nach der Unabhängigkeit und der queeren Community einer Großstadt wie Berlin. Schillernd, bunt und mit vielen Freund*innen stellt er sich ein Leben dort vor – und beginnt, es aktiv zu planen. Als seine Kartons für den Umzug schon gepackt sind, lernt er allerdings Duc (Minh Duc Pham) kennen. Mit ihm fühlt sich das Dorf auf einmal größer und schöner an, und nun weiß Markus nicht mehr, wo und wie er denn nun eigentlich leben will…
Im Anschluss Gespräch mit Tucké Royale (Hauptdarsteller, Drehbuchautor) und dem Projektteam „Can you hear us?“

Mehr Infos unter: https://www.queeres-sachsen.de und unter https://www.rosalinde-leipzig.de/beratung/queer-durch-sachsen/

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Vortrag und Diskussion: Der Reichswehr-Einmarsch in Pirna vor 100 Jahren
Datum: 23. Oktober 2023 18:00
Ort: Kulturkiste Pirna – Schössergasse 3, 01796 Pirna, Deutschland

1923 – Das Ende der Revolution in Deutschland
Vor hundert Jahren gehen in Deutschland die revolutionären Ereignisse 1918-23 mit einem letzten Aufbäumen zu Ende, schließlich setzt die Reichswehr gewaltsam die sozialistischen und antifaschistischen ‚Arbeiterregierungen‘ aus SPD und KPD in Sachsen und Thüringen ab, der Hamburger Aufstand wird niedergeschlagen, Karl Plättners Verurteilung besiegelt das Ende des revolutionären Untergrunds. Am 23. Oktober marschiert die Reichswehr in Pirna ein, auch hier gibt es Tote und Verletzte. Daniel Kulla möchte an die Kämpfe und Widersprüche des Jahres 1923 erinnern, die in den vorherrschenden Erzählungen über die Revolution nicht oder nur stark verzerrt vorkommen, und die unbedingt der Besinnung wert sind.

Mehr Infos unter: https://akubiz.de/termine/287-der-reichswehr-einmarsch-in-pirna-vor-100-jahren/2023-10-23-18-00

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Ausstellung zum NSU-Komplex: Damit solche Taten aufhören
Datum: 27.10.2023, 19:00 – 08.11.2023, 19:00 Uhr
Ort: Projekt46, Hauptstraße 46, 08056 Zwickau

Eine Installation von spot the silence
Die Kunstinstallation zeigt Ausschnitte aus 9 Videointerviews, die von Rixxa Wendland und Christian Obermüller zwischen Januar 2016 und Februar 2017 geführt wurden. Sie versammelt Stimmen von Betroffenen des NSU-Terrors und rassistischer Gewalt sowie von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen gegen Rassismus. Ausgehend von den Morden des NSU-Netzwerks zeigen die Porträts die lange Geschichte der Gegenwart von Rassismus in Deutschland. Aktivist*innen und Betroffene erzählen von ihren Erfahrungen und ihrem Wissen, das systematisch aus dem behördlichen und medialen Diskurs ausgeschlossen wurde.

Mehr Infos unter: https://sachsen.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/3P8DM/damit-solche-taten-aufhoeren?cHash=02054b487a34dfd4e16588e56a470fdb

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Podiumsdiskussion: NSU-Aufarbeitung mit staatlicher Unterstützung? – Diskussion zu den aktuellen Planungen für ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
Datum*: 26.10.2023, 18:00 – 19:30 Uhr
Ort*: Open Space, Brückstraße 10, 09111 Chemnitz

Ein Dokumentationszentrum und einen Erinnerungsort zum NSU-Komplex – dafür gibt es politische Initiativen auf Bundesebene, in Thüringen und in Sachsen. Dass die Forderungen nach NSU-Aufarbeitung von staatlichen Akteuren aufgenommen wurden, ist das Ergebnis eines breiten bundesweiten Aufarbeitungsnetzwerks, das sich zuletzt hinter der Losung „Kein Schlussstrich!“ versammelt hat. Mit unterschiedlichen Ansätzen hat dieses Netzwerk Aufklärung vorangebracht. Die Rolle der staatlichen Institutionen bleibt dabei mehr als zweifelhaft. So schredderte der Verfassungsschutz Akten, statt aufzuklären. Bei den polizeilichen Ermittlungen wurden die Opfer und ihre Angehörigen wie Kriminelle behandelt, obwohl sich Hinweise auf ein rechtes Tatmotiv verdichteten. Das Wissen der Ermittlungsbehörden wurde daher auch als „korrumpiertes Wissen“ bezeichnet. Aktive des Aufarbeitungsnetzwerks stellen dem ihr Wissen entgegen: öffentlich, dezentral und solidarisch.

So stellt sich die Frage: Wie gehen wir als Aktive des Aufarbeitungsnetzwerks damit um, dass der Staat auf einmal Aufklärung institutionell absichern will?
Im Rahmen eines Projektes in Sachsen entstand eine Konzeptions- und Machbarkeitsstudie für ein Dokumentationszentrum. Gleichzeitig wurde ein Vorschlag entwickelt, wie das dezentrale bundesweite Aufarbeitungsnetzwerk gestärkt werden kann. Zudem schreiten die Planungen für einen Erinnerungsort in Chemnitz voran. Auf dieser Veranstaltung werden die Eckpunkte der Machbarkeitsstudie vorgestellt.
Anschließend Diskussion: Welche Chancen bieten sich für Sachsen? Was braucht es, damit Aufarbeitung und Gedenken lokal und regional verstetigt werden können? Welche Erwartungen gibt es an Politik, aber auch Akteur*innen der Aufarbeitung? Welches Wissen wird im Dokuzentrum gesammelt – auf welche Weise und für wen? Wie können dezentrale und aktivistische Wissensbestände erhalten bleiben und gestärkt werden?

Mehr Infos unter: https://calendar.boell.de/de/event/nsu-aufarbeitung-mit-staatlicher-unterstuetzung

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Workshop: Embodied Racism – Workshop für Menschen in der politischen Bildungsarbeit
Datum: 28.10.2023, 10:00 – 16:00 Uhr
Ort: Villa Breiting, Theodor-Heuss-Straße 30, 04328 Leipzig

Seit der Zeit der Aufklärung wissen wir, dass Menschen vernünftige und kluge Wesen sind. Es wird davon ausgegangen, dass wir unseren Verstand nutzen, um Probleme zu lösen und Herausforderungen zu bewältigen. Dieser Trugschluss hat sich bis heute gehalten und hat zu der Vorstellung geführt, dass Körper und Geist getrennt seien.
Wir versuchen immer noch, unsere Erfahrungen, Erlebnisse, Projektionen und Traumata auf der Ebene des Verstandes zu verstehen. Aber moderne Forschung zeigt, dass diese Denkweise das Dilemma unseres Leidens ist. Egal wie sehr wir unseren Körper ignorieren, er spielt eine entscheidende Rolle in allem, was wir tun. Er ist in jedem Schritt essenzieller Bestandteil. Alles, was wir wahrnehmen, analysieren und verarbeiten, geschieht durch unsere Sinne und unser Gehirn, und führt zu körperlichen Reaktionen.
In diesem Workshop wollen wir das Konzept des „rassismuskritischen Körpers“ von Senja Brütting genauer betrachten. Wir möchten verstehen, wie der Körper auf verschiedenen Ebenen auf Rassismus agiert und reagiert. Wir werden uns mit unserem eigenen Wissen auseinandersetzen und individuell reflektieren, wie wir im bestehenden System (nicht) privilegiert sind. Dadurch wollen wir ein Verständnis darüber erlangen, wie und was unser Körper auf bestehende sozialgesellschaftliche Missverhältnisse fühlt und erlebt, um dann näher auf körperlicher Ebene darauf eingehen zu können.
Mit Senja Brütting (Sozialarbeiter*in und freiberufliche Bildungsreferent*in) und Monty Dhanjal.

Anmeldung bis 22.10. unter: empowerment@pokubi-sachsen.de
Mehr Infos unter: https://sachsen.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/ZJUXY/embodied-racism?cHash=77c086749a2c94b1008bd49ffd1472d6

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Vortrag und Diskussion: Zwischen Aufstand und Staatsgewalt. Die Reichsexekution 1923 in Sachsen und das linksrepublikanische Projekt
Datum: 29.10.2023, 14:00 – 16:00 Uhr
Ort: Erich-Zeigner-Haus, Zschochersche Straße 21, 04229 Leipzig

Im Zentrum unserer Betrachtung steht die sogenannte „Reichsexekution“ in Sachsen, ein historisches Ereignis, welches größtenteils in Vergessenheit geraten ist. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Welche politischen Hintergründe führten zum Einmarsch von 60.000 Reichswehrsoldaten in den Freistaat? Die Referenten Dr. Karl Heinrich Pohl und Dr. Michael Rudloff werden uns anhand ihrer fachkundigen Untersuchungen auf der Grundlage ihrer Forschungsergebnisse und Publikationen tiefe Einblicke in diese komplexe Angelegenheit gewähren. Dabei werden sie uns die Zusammenhänge und Konflikte aufzeigen, die zur Intervention des Reiches in die sächsische Landespolitik führten.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags wird auf der Ministerpräsidentschaft Erich Zeigners liegen, der zu jener Zeit die politischen Geschicke Sachsens lenkte. Welche politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen musste er im Angesicht der Hyperinflation und steigender rechter Gefahr aus der sogenannten „Ordnungszelle“ Bayern bewältigen? Welche Maßnahmen ergriff er? Dabei wollen wir einhundert Jahre später die Weimarer Demokratie vom Anfang her betrachten und nicht deterministisch ihr Ende in den Mittelpunkt stellen. Stattdessen möchten wir der Frage nachgehen, welche Chancen das „linksrepublikanische Projekt“ in Sachsen für die Weimarer Republik in Aussicht gestellt hat und inwieweit die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten uns an die Gegenwart erinnern dürfen. Im Anschluss an den Vortrag gibt es eine Diskussion.

Mehr Infos unter: https://sachsen.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/CHZD4/zwischen-aufstand-und-staatsgewalt-die-reichsexekution-1923-in-sachsen-und-das-linksrepublikanische-projekt?cHash=0b1c53ff697fa087720d9319267bf24b

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Vortrag und Diskussion: Sachsen 1923 – Das linkssozialistische Projekt
Datum: 31.10.2023, 19:00 – 21:00 Uhr
Ort: Treibhaus e.V., Bahnhofstraße 56, 04720 Döbeln

Im März 1923 wird in Sachsen eine Arbeiterregierung aus SPD und KPD mit Erich Zeigner als Ministerpräsident gewählt. Während dieser versucht verschiedene Reformen auf den Weg zu bringen, wird das Reich von schweren Krisen erschüttert: die Besetzung des Ruhrgebietes, Inflation, Wirtschaftskrise und politische Unruhen in Form von Streiks und Demonstrationen. Während im Oktober die sächsische und wenig später auch die thüringische Arbeiterregierung mittels Reichsexekution gewaltsam abgesetzt wird, kommt es in München zum Hitlerputsch.
Die Reichsregierung begründete den Einmarsch der Reichswehr mit der Behauptung, dass die sächsische Linksregierung „Moskau“ und der kommunistischen Revolution Tür und Tor geöffnet habe. Nur der Einmarsch der Reichswehr und die Absetzung der – allerdings demokratisch legitimierten – Regierung Zeigner hätten Sachsen und das Reich vor Chaos und kommunistischem Umsturz retten können.
Karl Heinrich Pohl will zeigen, dass das in Sachsen initiierte linksrepublikanische Projekt keineswegs die Demokratie zerstören wollte und der „Kommunistischen Weltrevolution“ verpflichtet war. Es versuchte vielmehr, die stecken gebliebene Revolution von 1918/19 weiter zu führen, das demokratische Weimarer System zu festigen und es mit stärkerem sozialem Gehalt zu füllen. Die Zerschlagung stellte einen schweren Schlag für die Weimarer Demokratie dar.

Mehr Infos unter: https://sachsen.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/6XF14/sachsen-1923-–-das-linkssozialistische-projekt?cHash=700a69b5e960d26bdaca33a9f5522994