Details
BRD 2026, Dokumentarfilm, 78 min
Regie: Tina Bara · OV (Deutsch)
Mit: Harriet Wollert
HARRIET zeichnet das Portrait einer widerständigen Frau, die in der DDR heftige Repressalien erfahren hat, die zu den düsteren Kapiteln ihrer 40-jährigen Sozialismus-Geschichte gehören. Ausgangspunkt der Gespräche zwischen der Filmemacherin/Fotografin und Harriet sind die sogenannten „Tripperburgen“, die seit den 60er Jahre in allen größeren Städten des Landes eingerichtet wurden. Es handelte sich um venerologische Stationen in staatlichen Gesundheitseinrichtungen, in die junge Mädchen unter dem Verdacht von Geschlechtskrankheiten für eine bestimmte Zeit zwangseingewiesen, für mehrere Wochen eingesperrt und zwangsbehandelt wurden. Nur 30 % der Personen konnte eine Diagnose nachgewiesen werden, die grundsätzlich nicht die übergriffigen Misshandlungen rechtfertigte, denen alle Mädchen und Frauen ausgesetzt waren. In Wirklichkeit ging es darum, junge Frauen, die nicht in das sozialistische Menschenbild passten, einzuschüchtern, zu bestrafen, zu erziehen und gefügig zu machen. Auch Harriet gehört zu den Frauen, deren Biografie durch diese Erfahrung traumatisch geprägt ist. Wegen einer geplanten Flucht musste Harriet bereits als 19-jährige ins Gefängnis, danach wurde sie ständig überwacht und kontrolliert. In der „Tripperburg“ registrierten die Behörden, dass Harriet schwanger ist, was dazu führte, dass sie ihr das Kind direkt nach der Geburt entzogen und zu einer Adoption freigaben. Das heißt: Tripperburg und Zwangsadoption stehen in dieser Geschichte in einer unmittelbaren Folge. Tina Bara lernt das Schicksal von Harriet über Gespräche mit ihrer Protagonistin kennen, die sie unmittelbar mit einer kleinen Kamera aufzeichnet. In diesen geht es um ihren schwierigen familiären Hintergrund genauso wie um ihre widerständige Lebenslust. Der Film ist eine Montage, die hauptsächlich aus den filmisch aufgezeichneten Gesprächsprotokollen mit Harriet besteht. Die direkten Gesprächsprotokolle wechseln hin und wieder ab mit der Erzählstimme der Filmemacherin, die die Aufzeichnung aus einem räumlichen und zeitlichen Abstand zusammengefasst weitererzählt. Darüber montiert Tina Bara Fotos, die sie von Harriet in deren Heimatstadt Erfurt und während eines Aufenthaltes in einem Thermalbad fotografiert bzw. gefilmt hat. Die sprachlich inhaltsreiche Erzählung wird erweitert durch Aufnahmen von performativen Handlungen, die Harriet unterwegs (z.B. vor der Tripperburg) oder im Wasser vollzieht. Diese werden mit einer Tonspur kombiniert für die ein enger Freund von Harriet elektronische Soundstücke komponiert hat. Darüber hinaus singt Harriet drei Lieder, mit deren Texten sie sich identifiziert. Wie auch in ihren anderen Filmen verbindet Tina Bara dokumentarische mit essayistischen Formen und zeichnet als Künstlerin/Autorin allein verantwortlich für das Konzept, die Produktion, Kamera und Schnitt. Im Anschluss an den Film wird es ein Gespräch mit Tina Bara geben. Bild © Tina Bara
HARRIET paints a portrait of a defiant woman who suffered severe reprisals in the GDR—reprisals that are among the darkest chapters in the country’s 40-year history of socialism. The starting point for the conversations between the filmmaker/photographer and Harriet are the so-called “Tripperburgen,” which were established in all major cities across the country beginning in the 1960s. These were venereal disease wards in state-run health facilities where young girls suspected of having sexually transmitted diseases were forcibly admitted for a set period, confined for several weeks, and subjected to compulsory treatment. Only 30% of the individuals were found to have a confirmed diagnosis—which, in principle, did not justify the abusive mistreatment to which all the girls and women were subjected. In reality, the aim was to intimidate, punish, discipline, and subjugate young women who did not fit the socialist ideal of humanity. Harriet is also among the women whose lives were traumatically shaped by this experience. (Original German version) There will be a discussion with Tina Bara after the film.
Link zur Veranstaltung: https://cinematheque-leipzig.de/programm/filme/harriet/
Veranstaltende Gruppe: Cinémathèque Leipzig
Sprache des Events: Originalfassung ohne Untertitel
Eintritt: 8,00 € (regulär) • 7,00 € (ermäßigt*) • 4,00 € (mit Leipzig-Pass, Schwerbehindertenausweis, Ehrenamtspass) • (zzgl. 0,70 € VVK-Gebühr), Restkarten an der Abendkasse.
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