Der ’technologische Schleier’. Anmerkungen zu einem Sprachbild bei Adorno (KI-Reihe)

Der ’technologische Schleier’. Anmerkungen zu einem Sprachbild bei Adorno (KI-Reihe)

Wann

Dienstag - 25.08.2026
19:00 - 23:15  

Wo

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Breite Straße 1, Leipzig

Rollstuhlgerecht? Unbekannt
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Christian Voller befasst sich, in seinem Vortrag, mit dem Begriff des technologischen Schleiers bei Adorno. In seiner Vorlesung zur Einführung in die Soziologie formulierte Adorno folgendes:

„Der Schein wäre auf die Formel zu bringen, daß alles gesellschaftlich Daseiende heute so vollständig in sich vermittelt ist, daß eben das Moment der Vermittlung durch seine Totalität verstellt wird. Kein Standort außerhalb des Getriebes läßt sich mehr beziehen, von dem aus der Spuk mit Namen zu nennen wäre; nur an seiner eigenen Unstimmigkeit ist der Hebel anzusetzen. Das meinten Horkheimer und ich vor Jahrzehnten mit dem Begriff des technologischen Schleiers. Die falsche Identität zwischen der Einrichtung der Welt und ihren Bewohnern durch die totale Expansion der Technik läuft auf die Bestätigung der Produktionsverhältnisse hinaus, nach deren Nutznießern man mittlerweile fast ebenso vergeblich forscht, wie die Proletarier unsichtbar geworden sind.”

(Theodor W. Adorno, 1968)

 

 

Veranstaltungsreihe: “Künstliche Intelligenz”

  • 14.07. Surplus ex machina. KI und die Krise des Akkumulationsregimes
  • 28.07. Marx und die Maschine
  • 11.08. Künstliche Intelligenz und Werttheorie
  • 25.08. Der ’technologische Schleier’. Anmerkungen zu einem Sprachbild bei Adorno

Die Diskussion über das, was im Laufe der letzten Jahre als künstliche Intelligenz Realität geworden ist, nimmt ebenso viel Raum ein wie ihre Anwendung im Alltag stetig zunimmt. Auch wenn der Begriff schon seit einigen Jahrzehnten immer wieder Aufmerksamkeit erlangt, so kam diesem erst in den letzten Jahren eine Realität zu, wie der Mensch ihn heute zu erfassen beginnt. KI scheint somit nicht mehr bloß ein Zukunftsversprechen, eine Idee, sondern ist aus dem Reich der Vorstellungen zur Wirklichkeit geworden.

Für die meisten Menschen stellen die Large Language Models (LLM) seit der Veröffentlichung von ChatGPT vor einigen Jahren den Beginn der viel beschworenen KI-Revolution dar. Aber der zunehmend alltägliche Chat mit der LLM-Software stellt nur die Spitze des Eisbergs dar. Was KI als soziotechnisches Phänomen gesamtgesellschaftlich zunehmend verdeutlicht: Vielleicht wird nichts mehr so bleiben, wie es ist. KI hat Einzug gehalten in nahezu alle Lebens- und Produktionsbereiche. Analog dazu ist das Thema mittlerweile auch in der Auseinandersetzung des Menschen mit Natur und Gesellschaft stets präsent.

Dabei changieren die Einschätzungen, Urteile und Erwartungen zwischen Dystopie und Heilsversprechen, wobei in der Auseinandersetzung viel zu oft auf einer rein technischen und damit oberflächlichen Ebene verharrt wird. Jeden Tag können sich Konsument:innen im Strudel des allgemeinen Hypes über die neusten Softwares und damit die rasant anwachsenden technischen Möglichkeiten informieren. Immer begleitet von sowohl dem Gefühl der Steigerung eigener Möglichkeiten als auch dem kalten Schauer, dass hier etwas Bedeutsames und Übermenschliches im Gange ist. Letzteres bedient eine fatalistische Fetischisierung der Technik, welche die Auseinandersetzung mit dem, was Technik ist, schon im 20. Jahrhundert immer wieder geprägt hat und welche dazu tendiert, mehr zu verschleiern als aufzuklären, in welchem Verhältnis Mensch und Technik zu denken sind. Christian Voller wird unter anderem diesen Aspekt in seinem Vortrag diskutieren.

Dem entgegen wird KI jedoch ebenso als geradezu messianischer Heilsbringer beschworen, der imstande sei, die ökonomischen Krisen unserer Zeit zu lösen. Was realistisch und damit sowohl technisch als auch gesellschaftlich von KI zu erwarten ist, rückt im Sound der Verheißung jedoch in den Hintergrund. In seinem Vortrag wird Manuel diesbezüglich Licht ins Dunkel bringen und Grundbegriffe klären, um sich darauf aufbauend den Fragen zu widmen, welcher ökonomische Mehrwert durch KI-Technologien erreicht werden kann, soll und welche gesellschaftlichen Verwerfungen dies mit sich bringt.

KI ist allerdings nicht einfach über die Menschen gekommen und ist auch keine Sache, die außerhalb der Verhältnisse steht. Noch wird KI vom Menschen gemacht und eingesetzt. Dabei folgt sie den Tendenzen dieser Gesellschaft, in der alles danach beurteilt wird, ob und wie es sich verwerten lässt. Peter Schadt wird sich daran anknüpfend in seinem Vortrag der Frage zuwenden, wie sich die politische Ökonomie im digitalen Zeitalter verändert und wie sich dies anknüpfend an Marx werttheoretisch erfassen lässt.

In unserem eigenen Vortrag möchten wir uns damit befassen, was bereits Marx zur Anwendung der Technik im Kapitalismus geschrieben hat. Wir wollen uns dabei auf das Kapitel “Maschinerie und große Industrie” aus dem ersten Band des Kapitals beziehen und in die dort gemachten Überlegungen einführen. Marx gibt eine immer noch aktuelle Analyse davon, warum Maschine und Technik einerseits so viel Gutes vermögen, andererseits kapitalistisch angewendet den Menschen weiter unterjochen.

Wir streben mit der Vortragsreihe eine Auseinandersetzung damit an, was KI unabhängig von Phantasie und Hype ist und was von ihr als Technik und Maschine unter den Voraussetzungen unserer Gesellschaft und Zeit zu erwarten ist. Sicher ist, dass nichts einfach so bleibt, wie es ist, und wir alle ebenso wenig einfach schon wissen können, was uns bevorsteht.

Link zur Veranstaltung: http://alea-le.org

Veranstaltende Gruppe: alea • antifaschistisch & autonom

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