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Dass künstliche Intelligenz jeden Lebensbereich verändern wird, ist im gegenwärtigen Diskurs eine abgemachte Sache. Im Besonderen soll das auch für die Sphäre der Arbeit gelten. Antizipiert wird eine Welt, in der der Mensch für die Produktion (fast) vollkommen entbehrlich ist. Es sind die Fähigkeiten dieser besonderen Technik selbst, die dieses Versprechen einlösen sollen. Was dabei nicht betrachtet wird, ist wie sich unter den Bedingungen kapitalistischer Produktion eine neue Technik als allgemeine Produktionsweise durchsetzt.
Was heute der künstlichen Intelligenz an Potenzial zugeschrieben wird, ist in der Vergangheit schon anderen technischen Entwicklungen zugeschrieben worden: der Digitalisierung, davor der Automation und schließlich auch schon der Maschine. Marx hat in seinem Werk die auch heute noch grundlegende Analyse der kapitalistischen Produktion geliefert. In ihr betrachtet er auch die in seiner Zeit fortgeschrittenste Technik: die Maschine. Im Vortrag wollen wir nachvollziehen, wie Marx die Durchsetzung der maschinenmäßigen Produktion, jenseits einer rein technischen Beschreibung, historisch und politökonomisch analysiert hat. Dafür wollen wir uns das Kapitel “Maschinerie und große Industrie” aus dem ersten Band des Kapitals anschauen und in die dort gemachten Überlegungen einführen. Wir wollen damit auch einen Einstieg für alle ermöglichen, die sich nicht ohnehin schon in den Kategorien von Marx Kritik der politischen Ökonomie auskennen. Wir möchten mit euch überlegen und diskutieren, welche Aspekte auf KI angewendet werden können, was unbeantwortet bleibt und welche Anforderungen an eine kritische Analyse der KI zu stellen wären.
Veranstaltungsreihe: “Künstliche Intelligenz”
• 14.07. Surplus ex machina. KI und die Krise des Akkumulationsregimes
• 28.07. Marx und die Maschine
• 11.08. Künstliche Intelligenz und Werttheorie
• 25.08. Der ’technologische Schleier’. Anmerkungen zu einem Sprachbild bei Adorno
Die Diskussion über das, was im Laufe der letzten Jahre als künstliche Intelligenz Realität geworden ist, nimmt ebenso viel Raum ein wie ihre Anwendung im Alltag stetig zunimmt. Auch wenn der Begriff schon seit einigen Jahrzehnten immer wieder Aufmerksamkeit erlangt, so kam diesem erst in den letzten Jahren eine Realität zu, wie der Mensch ihn heute zu erfassen beginnt. KI scheint somit nicht mehr bloß ein Zukunftsversprechen, eine Idee, sondern ist aus dem Reich der Vorstellungen zur Wirklichkeit geworden.
Für die meisten Menschen stellen die Large Language Models (LLM) seit der Veröffentlichung von ChatGPT vor einigen Jahren den Beginn der viel beschworenen KI-Revolution dar. Aber der zunehmend alltägliche Chat mit der LLM-Software stellt nur die Spitze des Eisbergs dar. Was KI als soziotechnisches Phänomen gesamtgesellschaftlich zunehmend verdeutlicht: Vielleicht wird nichts mehr so bleiben, wie es ist. KI hat Einzug gehalten in nahezu alle Lebens- und Produktionsbereiche. Analog dazu ist das Thema mittlerweile auch in der Auseinandersetzung des Menschen mit Natur und Gesellschaft stets präsent.
Dabei changieren die Einschätzungen, Urteile und Erwartungen zwischen Dystopie und Heilsversprechen, wobei in der Auseinandersetzung viel zu oft auf einer rein technischen und damit oberflächlichen Ebene verharrt wird. Jeden Tag können sich Konsument:innen im Strudel des allgemeinen Hypes über die neusten Softwares und damit die rasant anwachsenden technischen Möglichkeiten informieren. Immer begleitet von sowohl dem Gefühl der Steigerung eigener Möglichkeiten als auch dem kalten Schauer, dass hier etwas Bedeutsames und Übermenschliches im Gange ist. Letzteres bedient eine fatalistische Fetischisierung der Technik, welche die Auseinandersetzung mit dem, was Technik ist, schon im 20. Jahrhundert immer wieder geprägt hat und welche dazu tendiert, mehr zu verschleiern als aufzuklären, in welchem Verhältnis Mensch und Technik zu denken sind. Christian Voller wird unter anderem diesen Aspekt in seinem Vortrag diskutieren.
Dem entgegen wird KI jedoch ebenso als geradezu messianischer Heilsbringer beschworen, der imstande sei, die ökonomischen Krisen unserer Zeit zu lösen. Was realistisch und damit sowohl technisch als auch gesellschaftlich von KI zu erwarten ist, rückt im Sound der Verheißung jedoch in den Hintergrund. In seinem Vortrag wird Manuel diesbezüglich Licht ins Dunkel bringen und Grundbegriffe klären, um sich darauf aufbauend den Fragen zu widmen, welcher ökonomische Mehrwert durch KI-Technologien erreicht werden kann, soll und welche gesellschaftlichen Verwerfungen dies mit sich bringt.
KI ist allerdings nicht einfach über die Menschen gekommen und ist auch keine Sache, die außerhalb der Verhältnisse steht. Noch wird KI vom Menschen gemacht und eingesetzt. Dabei folgt sie den Tendenzen dieser Gesellschaft, in der alles danach beurteilt wird, ob und wie es sich verwerten lässt. Peter Schadt wird sich daran anknüpfend in seinem Vortrag der Frage zuwenden, wie sich die politische Ökonomie im digitalen Zeitalter verändert und wie sich dies anknüpfend an Marx werttheoretisch erfassen lässt.
In unserem eigenen Vortrag möchten wir uns damit befassen, was bereits Marx zur Anwendung der Technik im Kapitalismus geschrieben hat. Wir wollen uns dabei auf das Kapitel “Maschinerie und große Industrie” aus dem ersten Band des Kapitals beziehen und in die dort gemachten Überlegungen einführen. Marx gibt eine immer noch aktuelle Analyse davon, warum Maschine und Technik einerseits so viel Gutes vermögen, andererseits kapitalistisch angewendet den Menschen weiter unterjochen.
Wir streben mit der Vortragsreihe eine Auseinandersetzung damit an, was KI unabhängig von Phantasie und Hype ist und was von ihr als Technik und Maschine unter den Voraussetzungen unserer Gesellschaft und Zeit zu erwarten ist. Sicher ist, dass nichts einfach so bleibt, wie es ist, und wir alle ebenso wenig einfach schon wissen können, was uns bevorsteht.
Link zur Veranstaltung: https://www.alea-le.org/uncategorized/veranstaltungsreihe-kunstliche-intelligenz/
Veranstaltende Gruppe: alea • antifaschistisch & autonom
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